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Irische Literatur im Check

Vier Nobelpreisträger für Literatur, zahlreiche Booker-Preis-Gewinner sowie die Erklärung von Dublin zur UNESCO-Literaturstadt – All das sind Preise und Titel, die mich auf die irische Literatur neugierig gemacht haben. Auf den ersten Blick wirkt es überraschend, dass  so ein kleines Land im Bereich der Literatur so stark hervorsticht. Doch ein bisschen Recherche zeigte mir, dass Irland eine uralte Tradition des Schreibens besitzt, welche im Laufe der Geschichte durch sprachliche und thematische Vielfalt bereichert wurde.

Traditionen der irischen Literatur

Obwohl man die Tradition des Schreibens auf dem irischen Boden für weit aus älter schätzt, stammen die frühesten gefundenen Werke aus dem 4. Jahrhundert. Der alteingesessene Brauch der Literaturproduktion verzweigte sich im Verlauf der Geschichte zu verschiedenen sprachlichen Traditionen.

dublin-2507902_1920 (1)© Foto TuendeBebe / pixabay

Die irischsprachige Literatur fing mit den Bemühungen der Mönche an, die mündlichen Überlieferungen des Volkes schriftlich festzuhalten. Zudem wurde Poesie von den Adeligen unterstützt. Doch die englische Kolonisierung ab dem 12. Jahrhundert sorgte Schritt für Schritt für die Dominanz der englischen Sprache. Nur im 19. Jahrhundert erlebte das Irisch ein kurzes Wiederaufleben. Englische Stücke wurden übersetzt oder die alte Tradition der Dichtkunst wieder hervorgeholt. Die irische Renaissance hielt jedoch nicht lange an. Bis heute ist Englisch die dominierende Sprache der Insel.

Die zweite nennenswerte literarische Bewegung aus Irland ist Ulster Scots. Als Ulster-Schotten bezeichnet man die schottischen Tieflandbewohner, die im 17. Jahrhundert Irland besiedelten und damit die schottische Poesie auf die Insel brachten. Im Verlauf der Zeit entstand eine eigenständige Bewegung, die von Literaten wie William Forbes Marshall und James Fenton bis in die Gegenwart aufrechterhalten wurde.

Die anglo-irische Tradition begann sich auch im 17. Jahrhundert zu etablieren. Im Verlauf der Jahre brachte sie großartige Werke hervor, die ohne Zweifel die Weltliteratur bereichert haben. Der erste nennenswerte Schriftsteller dieser Tradition ist Jonathan Swift, der bekannt für seine scharfe Zunge und beißende Sprache war. Mit Gullivers Reisen und A Modest Proposal wusste der Satiriker gekonnt die Missstände in der irischen und englischen Gesellschaft darzustellen. Ihm folgten großartige Namen wie Oliver Goldsmith, Bram Stoker und Samuel Beckett, die die anglo-irische Tradition weltbekannt machten.

Was macht die irische Literatur lesenswert

Leser, die Interesse an der irischen Gesellschaft und Geschichte haben, aber nicht langweilige Sachbücher lesen wollen, können zu der irischen Literatur greifen. Aufgrund der fortlaufenden Produktion, entstanden zahlreiche Werke, die das Leben auf der Insel großartig beschreiben. Ein Beispiel dafür ist die traditionelle Pub-Kultur, die in literarischen Werken oft wiederzufinden ist. Im gleichen Jahrhundert geboren, standen Kneipen, das Stadtleben und die anglo-irische Literatur in ständiger Wechselwirkung. Besonders in Dublin sind Pub-Kultur und irische Poesie seit jeher tief miteinander verwoben. So hatten viele Kneipen der Hauptstadt, die heute immer noch Schriftsteller empfangen, Legenden wie Jonathan Swift und Patrick Kavanagh ebenso zu Gast wie James Joyce. Die alltäglichen Beobachtungen der Literaten in Pubs wurden in großartigen in Romanen wie Ulysses oder Murphy eingearbeitet.

pub-2058083_1920© Foto TeroVesalainen / pixabay

Auch das Landleben von Irland ist in zahlreichen Werken wiederzufinden. Oliver Goldschmiths Der Pfarrer von Wakefield stellt großartig in der Ich-Erzählung die Geschichte einer Pfarrers-Familie im 18. Jahrhundert dar. William Carleton veröffentlichte dagegen eine Sammlung von Geschichten, die über das Leben der Bauern im 19. Jahrhundert erzählten. Beide Werke sind in der Lage, den Lesern das ländliche Leben der jeweiligen Epochen erfolgreich zu vermitteln und die Stränge zwischen Alltagsleben und sozialen Veränderungen darzustellen.

Doch die Literatur bietet nicht nur einen wunderbaren Ausblick in das Alltagsleben und die Bräuche von Irland. Das Angebot ist vielfältig. Dracula, der berühmteste Vampir der Geschichte, ist ebenso ein irisches Produkt, wie die komplexen Gedichte des Poeten William Butler Yeasts, die von der Heimatliebe und Sehnsucht nach den irischen Traditionen erzählen. Mit dem Roman Auf Schwimmen-zwei-Vögel von Brian O’Nolan kann man dagegen in ein Frühwerk der postmodernen Literatur hineinschnuppern. Von Erzählungen bis zu Abenteuerromanen sind alle Genres und Epochen der Literatur zu finden, die auch noch mit qualitativ hochwertigen Inhalten trumpfen. Zudem wurde nicht vergessen, die soziale Umgebung, in der sie entstanden, mit in die Geschichten einzubinden. Allein diese Tatsache macht die irische Literatur lesenswert.

Ich kann nur empfehlen, je nach Geschmack, eins der vielen Werke auszusuchen und in die Welt der irischen Literatur einzutauchen. Wer mit etwas Leichtverdaulichem anfangen will, kann einen Blick in die Werke von Eoin Colfer werfen, der in seiner Erfolgsserie Artemis Fowl spannende Geschichten mit vielschichtigen Charakteren verbindet.

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