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Toleranz einfach schwer -Joachim Gauck

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Toleranz – wir alle fordern sie und wir alle wünschen sie uns. Doch sprechen wir dabei überhaupt vom Gleichem? Was bedeutet Toleranz eigentlich? Ist überhaupt alles, was als Toleranz bezeichnet wird, welche? Und wie viel Toleranz ist überhaupt gut?

Joachim Gauck hat sich mit dem Thema Toleranz auseinander gesetzt und sich der Frage gestellt, wie viel Andersartigkeit im Alltag und der Politik ertragbar ist. Welche Regeln müssen bei aller Verschiedenheit unbestreitbar gelten und wie behalten alle Einzelinteressen das Gemeinwohl im Blick? Warum brauchen wir überhaupt eine erweiterte Toleranz und wo beginnt die Grenze, des nicht tolerierbarem? Herr Gauck spricht sich für eine kämpferische Toleranz aus – eine aktive Haltung, die Andere bereichert.

Warum sollte ich ein Buch über Toleranz lesen?

Diese Frage stellte ich mir, als ich das erste Mal von dem neuen Buch „Toleranz: einfach schwer“ von Joachim Gauck hörte. Toleranz? Für mich eine Selbstverständlichkeit. Oder doch nicht? Ich nahm mir einen Moment und überlegte. Was ist Toleranz eigentlich wirklich? Bin ich tolerant? Und wenn ich mich über Dinge aufrege, die mich stören, bin ich dann intolerant? Oder ist das berechtigt? Das waren mir in dem Moment zu viele Fragen, weswegen ich beschloss das Buch zu lesen, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Wer ist Joachim Gauck

Joachim Gauck wurde 1940 geboren und studierte Theologie. Er arbeitete viele Jahre als Pastor in Mecklenburg.

  • 1989 war er Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur.
  • Ab 1990 war er Abgeordneter für das Bündnis 90.
  • Von 1990 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.
  • Von 2012 bis 2017 war er elfter Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Eine Annäherung an die Toleranz

Im Buch geht es anfangs vor allem um die Begrifflichkeit der Toleranz. Wer nun denkt, es würde trocken zugehen, dem muss ich sagen: Getäuscht. Herr Gauck führt einen durch viele kleine Geschichten aus seinem Leben und der Historie der Welt. Wie Staaten und Länder toleranter wurden, aus welchen Gründen und welche Vorteile es ihnen brachte, erfährt man bereits in den ersten 50 Seiten. Er nähert sich sehr geschickt einer mir sehr zusagenden Definition von Toleranz an. Manche meiner Fragen beantworteten sich, doch noch viele mehr eröffneten sich mir und ich musste über manche Aussage länger nachdenken.

So war mir nie wirklich bewusst, dass Toleranz demütigend sein kann. Eine Einstellung á la „Du bist anders als ich, aber ich nehme es hin, dass du so bist“ kann herabblickend sein. Toleranz ist keine Frage der Gleichgültigkeit. Man ist nicht tolerant, wenn einen etwas nicht interessiert. Man ist nur dann tolerant, wenn es etwas ist, was einen eigentlich stört und man es dennoch akzeptiert und annimmt. Dass Toleranz bedeutet, etwas hinzunehmen, obwohl man es im Innern ablehnt, war mir bisher nie vor Augen. Für mich hieß Toleranz lediglich, dass man sich nicht an Dingen stört. Doch wirklich tolerant ist man nur, wenn es einen stört, aber man es dennoch hinnimmt.

Die Grenzen der Toleranz

Joachim Gauck geht in seinem Buch unter anderem auf die Grenzen der Toleranz ein. Als Beispiel will ich hierfür einmal die Wahrnehmung rechter und linker Gewalt anführen. So beschreibt er, dass Gewalttaten von Rechtsextremisten in der Öffentlichkeit zu weit mehr Protest führen, als Gewalttaten von Linksextremisten. Ich habe lange darüber nachgedacht und muss ihm da zustimmen. In meiner Vorstellung dürfte das so nicht sein.

Auch interessant fand ich die Frage, wie der Staat mit dem Kopftuch umgeht. So muss eine Trennung von Kirche und Staat eingehalten werden, die Religionsneutralität gewahrt bleiben und zeitgleich darf jeder seine Religion leben, wie er möchte. Der Staat musste sich der Frage stellen, ob das Kopftuch von einer Richterin getragen werden darf. Die Ausführungen, wieso nicht, leuchteten mir ein. Das Abwägen, welches Interesse schwerer wiegt und aus welchen Gründen, ist wahrlich nicht immer einfach.

Toleranz wächst in der lebenslangen Bereitschaft der Einzelnen, die sich verändernde Welt wahrzunehmen.

Joachim Gauck

Toleranz ist eine Fähigkeit, die es zu trainieren gilt

Mir hat dieses Buch viele Denkanstösse gegeben. Ich gehe sicherlich nicht mit allem einher, doch Vieles hat mich zum Nachdenken angeregt. Und eines verdeutlichte mir das Buch: Toleranz ist wie ein Muskel, den es zu trainieren gilt. Denn wer die Herausforderung der Toleranz annimmt und sie erfolgreich bewältigt, wird mit Glücksgefühlen belohnt. Toleranz lässt Menschen wachsen und lässt uns erkennen, dass es nicht nur Gut und Böse gibt, sondern viele Schattierungen.

Wer Joachim Gauck einmal persönlich zuhören möchte, der sollte bei einer der Veranstaltungen vorbei schauen.

Und hier kann man das Buch bestellen >>>

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