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Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo – Zlata Filipovic

Inhalt:

Für uns existierte der grausame Krieg im ehemaligen Jugoslawien immer nur ein paar Minuten in unseren friedlichen Wohnzimmern, wenn in der aktuellen Berichterstattung Särge von Kindern gezeigt werden, die bei einem so harmlosen Vergnügen wie Schlittenfahren getötet oder verletzt wurden.

Für die elfjährige Zlata Filipovic ist dieser Krieg eine Erfahrung, die nicht mit dem Ausschaltknopf am Fernsehgerät beendet werden kann. Sie ist 1991 ein elfjähriges Mädchen, das gerne die Hitparade hört, Video-Clips auf MTV anschaut, mit ihren Eltern zum Skifahren geht, mit Freunden Kniffel und Scrabble spielt, die Schule besucht, sich für amerikanische Filme interessiert und Michael Jackson und Madonna mag. Zlata ist ein ganz normales Mädchen mit einer schönen, behüteten Kindheit in einer bis im Frühjahr 1992 ganz normalen Stadt: Sarajevo.

In diese heile Welt der Kindheit bricht der Krieg herein. „Plötzlich ist der Krieg in unsere Stadt gekommen, in unser Haus, in unsere Köpfe, in unser Leben“. Zuerst ist alles noch weit entfernt in Dubrovnik, doch dann wird das Benzin knapp, der Vater muß zu Reservisten-Einsätzen, die Freunde und Nachbarn beginnen, die Stadt zu verlassen. Lebensmittel werden rar, Tage und Nächte verbringt sie in tristen Kellerräumen. Die Wohnung wird auf der Seite zur Straße hin zur Todeszone erklärt, die nicht mehr betreten werden darf. Unterdessen regnet es auf die Stadt ununterbrochen Granaten. Zlata schreibt alles akribisch auf, was ihr durch den Kopf geht.

Die Veränderungen in ihrer Heimatstadt nimmt sie um so deutlicher wahr, kann sie doch monatelang die Wohnung nicht verlassen. Selbst die Großeltern können nur unter Lebensgefahr besucht werden. Sie schildert die Eltern, die damit beschäftigt sind, Lebensmittel zu organisieren, Wasser heranzutragen, Holz zu sägen, damit wenigstens ein Zimmer der Wohnung geheizt werden kann. Auf einem alten Herd im Freien wird das kärgliche Essen gekocht. Es gibt keinen Strom, kein Gas, kein fließendes Wasser und es wird wieder Winter in Sarajevo — der zweite Kriegswinter.
Zlata beschreibt in eindringlichen Tagebuchnotizen den Verlust ihrer Kindheit in einem sinnlosen Krieg. Das Leben wird für sie zu einem Spiel, damit es überhaupt noch erträglich ist. Ein Spiel, in dem man so tut, als würde man leben. Ende Dezember hat sich für Zlata der größte Wunsch erfüllt: Auf Intervention des französischen Verteidigungsministers durfte sie zusammen mit ihren Eltern die belagerte Stadt Sarajevo in Richtung Paris verlassen. Die Katholische Aktion Italiens sammelt im Augenblick Unterschriften für ihren Vorschlag, den Friedensnobelpreis 1994 den Kindern Sarajevos zu verleihen. Eine schöne Geste für eine unwiederbringlich verlorene Zeit.
© Amazon

Meine Meinung:

Ein bewegendes Buch, welches einem den Alltag des Krieges auf deutliche Art und Weise mit einfachen Worten nah bringt. Ich kann es nur empfehlen, denn es ist ein unwiderrufliches Zeugnis der ersten 2 Kriegsjahre. Wir, die nur in Friedenszeiten leben, wissen nichts von der Angst, dem ewigen Hoffen und der unausweichlichen Enttäuschung die einen immer begleitet. Der Verlust der Freiheit, des eigenen Willens, des immer satt seins ist uns fremd.

Hier könnt Ihr ein englisches Interview mit Zlata sehen (nur die ersten 19 Minuten), welches aus dem Jahr 1994 stammt. Ich fand es sehr interessant.

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