Waldohreule – Ádàm Bodor
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Über 50 kurze atmosphärische und sprachlich dichte Erzählungen sind in diesem Buch versammelt. Sie spielen in Dörfern, Vororten, Landstrichen von Ostsee bis Asien, aber vor allem in uns selbst.
Zwei Männer fahren mit dem Boot durch einen Abwasserkanal, eine Frau verbringt einen Tag auf einen Gebirgspass, eine Gruppe unterschiedlicher Menschen flicht Körbe und ein Mann hält in der Bewegung inne und sorgt so für Unruhe. Geheimnisvolle Welten begegnen einem in diesem Buch. Doch wie die Menschen reagieren, ist oft verblüffend klar und bekannt. Manches Mal auch sehr erschütternd. Mit wenigen Worten gelingt es dem Autor die verborgensten Winkel menschlicher Empfindungen auszuleuchten. Egal ob es sich um Liebe, Grausamkeit, Einsamkeit oder Verbundenheit handelt.

Das Buchcover war das Erste, was mir ins Auge fiel. Es gefiel mir sofort. Eulen haben so einen eindrucksvollen Ausdruck. Und auch die Geschichten machen Eindruck. Einen gewaltigen. Es geht fast nahtlos um Situationen, in denen sich für Menschen etwas grundlegend ändert. Bei der ersten Geschichte weigert sich ein zum Tode verurteilter Soldat die Augenbinde zu tragen. Die Stärke, die er zeigt ist beeindruckend und auch die Reaktion der Anderen ist voller Zweifel und Irritation. Diese – ich nenne es mal – Abgründe der menschlichen Emotionen ist faszinierend. Man erfährt bei dem Soldaten beispielsweise keine Hintergründe. Vieles bleibt offen, doch genau das macht die Geschichten so faszinierend. Es bleibt so viel Raum. Wer das mag, der wird das Buch lieben.
Es ist keine einfache Lektüre. Sie hat eine Tiefe, die man verstehen muss. Wer sie verstehen will und wirklich darüber nachdenkt, was er gelesen hat, der hat auch nach dem Lesen noch länger etwas von den Geschichten.
Wahrlich ein Buch, dessen Tiefe, beeindruckend ist.

