Was das alles soll – Thomas-Roman Eder
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Der Roman Was das alles soll erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Leben streng nach festen Routinen organisiert. Für ihn kann schon die kleinste Abweichung vom täglichen Ablauf eine Kettenreaktion auslösen: Wenn sich ein Detail im Tagesplan verändert, wirkt sich das seiner Meinung nach auf die ganze Woche, den Monat und schließlich sogar auf das gesamte Jahr aus. Im schlimmsten Fall könnte eine solche Störung sogar seine ganze Existenz zerstören.

Der namenlose Ich-Erzähler lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten weitgehend zurückgezogen in seiner Wiener Wohnung und versucht, durch Ordnung und Kontrolle ein chaotisches Leben zu vermeiden. Sein Alltag ist genau strukturiert und gibt ihm Sicherheit. Doch diese fragile Ordnung gerät ins Wanken, als unerwartete Ereignisse in sein Leben treten – vor allem durch die Begegnung mit seinem Nachbarn Ketter. Dieser optimistische und offene Mensch stellt das Weltbild des Erzählers zunehmend infrage und zwingt ihn dazu, sich mit der Außenwelt auseinanderzusetzen.
Ein zentrales Thema des Romans ist das menschliche Bedürfnis nach Kontrolle. Der Protagonist versucht, durch Planung und Analyse die Welt berechenbar zu machen. Er schreibt seine „Analyse“ und will die Menschheit mathematisch berechnen. Als Grundlage dienen ihm Zeitungsartikel, die er akribisch aus der Tageszeitung ausschneidet und sortiert. Doch das Leben lässt sich nicht vollständig planen. Gerade durch die unvorhersehbaren Begegnungen und Ereignisse erkennt der Erzähler nach und nach, dass Realität oft chaotisch und unberechenbar ist und seine Analyse Verschwendung war.
Der Schreibstil von Thomas-Roman Eder ist ruhig, präzise und teilweise sehr reflektierend. Viele Gedanken des Protagonisten werden ausführlich beschrieben, wodurch man tief in seine Denkweise eintaucht. Gleichzeitig kann dieser Stil für manche Leser etwas anspruchsvoll oder langsam wirken, da die Handlung weniger von äußeren Ereignissen als von inneren Gedanken geprägt ist.
Mir stellt sich die Frage, was genau in der Erzählung ist Realität und was nur im Kopf des Protagonisten. Existiert der Nachbar wirklich? Ist er nur eine Fiktion im Wahn des Mannes? Wer stirbt wirklich und wer lebt? Bringt der Kopf um oder erliegt der Nachbar einer Todesfantasie? Das Buch ließ mich sehr nachdenklich zurück, mein Hirn stand nicht mehr still sich die verschiedenen Varianten für das Ende des Buches vorzustellen. Allein dafür lohnte sich das Lesen.

