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Sommer des Schweigens – Anna Maria Scarfó

Inhalt:

Anna Maria war mit ihren 13 Jahren noch ein Kind. Ihre Welt bestand aus der Familie, der Kirche, Freunden und der Schule. Es ist Frühling in San Martino di Tauranova in Kalabrien, als sie sich zum ersten Mal verliebt. Verliebt in einen älteren Jungen. Er lädt sie auf einen Ausflug ein und sie nimmt die Einladung an. Doch ihr Traum von der großen Liebe endet bei diesem Ausflug in einem Albtraum. Ein 3 Jahre andauernder Albtraum bei dem sie ihren Peinigern ausgeliefert ist. Doch als die Männer auch ihre Schwester in den Strudel aus Missbrauch hineinziehen wollen, findet Anna Marie den Mut Anzeige zu erstatten und sich zu wehren.

Doch damit hat sie das Gesetz des Dorfes gebrochen, denn man bricht das Schweigen nicht. Und das Dorf will das nicht einfach hinnehmen….

Meine Meinung:

Bücher über Missbrauch sind mittlerweile nichts seltenes mehr. Doch dass ein Mädchen von mehreren Männern missbraucht wird, über Jahre und in dem Dorf es eigentlich jeder weiß, das ist schon ungewöhnlich. Und es ist nicht irgendwann Anfang des 19. Jahrhunderts passiert, nein es passierte im 20. Jahrhundert und das in einem europäischen Land, in Italien!

Doch damit noch nicht genug, Anna Maria lebt unter der Verfolgung der Verwandten der Täter. Das gesamte Dorf mobbt die Familie von Anna Maria. Auch Jahre nach den Taten und den Verfahren kann sie nicht zur Ruhe kommen. Sie durchlebte weiter die Hölle. Die Geschichte ist so unfassbar, dass man sich oft fragt, ob sie wirklich real ist.

Aber sie ist es. Real und tatsächlich passiert.

Das Buch nimmt kaum ein Blatt vor den Mund. Selbst beim Missbrauch selbst wird nicht über die Tat an sich geschwiegen. Der ständige Wechsel zwischen Vergangenheitsbericht und heutiger Mobbinggeschichte, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, doch gibt es dem Ganzen eine noch zusätzliche Tiefe. Diese verdeutlich noch mehr das Leiden von Anna Maria und ihrer Familie. Ansonsten gefiel mir der Schreibstil und ich hatte das Buch sehr schnell durchgelesen, da es mich doch fesselte.

Das Buch ließ mich am Ende mit Unglauben zurück, Unglauben darüber wie grausam Menschen sein können und Unglauben dass ein ganzen Dorf so sehr in sich verkapselt ist, dass es nicht einmal mehr merkt, was Recht und Unrecht ist.

— Zurück —

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